Die 10 häufigsten gestellten Fragen

Warum verträgt sich der Kangal mit ca. einem Jahr nicht mehr mit anderen Hunden?
Der Kangal gehört zu den Herdenschutzhunden. Die Aufgabe eines Herdenschutzhundes ist es alles fremde und unbekannte misstraurig zu beäugen und gegebenenfalls die Bedrohung, z. B. Wölfe oder streunende Hunde zu vertreiben. So verträgt sich der Kangal mit den, für ihn “zum Rudel“ gehörenden Hunde bestens, bleibt aber allen fremden Hunden gegenüber ein misstrauriger Wächter. Dies ist genetisch tief fixiert und kann auch nicht durch erzieherische Maßnahmen verändert werden. Dieses Verhalten erscheint im ersten Lebensjahr nur sehr bedingt, jedoch mit der Geschlechtsreife, ca. ab dem 8 Monat verändert sich dies scheinbar plötzlich. 

Ist der Kangal familientauglich?
Vorausgesetzt das in der Zucht mit geeigneten Zuchthunden gearbeitet wird, die erste Sozialisierungsphase / Prägephase (ca. die ersten 8 bis 12 Wochen)  beim Züchter optimal gestaltet wurden und die Haltung anschließend der Rasse entsprechend ist, dann ist der Kangal ein absoluter Familienhund. Denn gerade seine hohe soziale und emotionale Intelligenz / Kompetenz befähigen ihn, sich bestens in den Familienbund zu integrieren. Er bewegt sich ruhig und gelassen in der Familie und ist Kindern gegenüber fast fürsorglich. Jedoch ist der Kangal kein Hund für “Kinderhände“. Sein ausgeprägter Schutzinstinkt und seine hohe Eigenständigkeit (Dickköpfigkeit) erlauben es nicht, Kinder mit ihm z.B. spazieren zu lassen.

Wie ernähre ich den Hund richtig?
Der Kangal ist recht anspruchslos in seiner Ernährung und auch die kleinen Portionen mit denen er klar kommt verwundern immer wieder. So leben diese Hunde bei den Hirten in der Türkei sozusagen von Brot und Wasser. Fleisch können die Hirten sich kaum leisten und so kommt auch der Kangal mit wenig Fleisch (tierischem Eiweiß) aus. Der Kangal sollte langsam wachsen und dafür reicht ein tierischer Eiweißgehalt von ca. 15 bis 17 % vollkommen aus.

Warum hört der Kangal wie er will?
Da der Kangal als Herdenschutzhund seine Entscheidungen im Sinne seiner Schutzarbeit eigenständig treffen muss, mag er den “Befehlston“ so gar nicht. Der Kangal lebt z.B. in der Nacht ganz allein mit den Schafen und entscheidet, aufgrund seiner gesammelten Erfahrungen und seiner genetischen Ausstattung, wann er welche Schutzarbeit leisten muss. Diese hohe Eigenständigkeit erschwert natürlich die Hundeerziehung. Hinzu kommt, dass der Kangal auch kein Beuteverhalten (Jagdverhalten) hat, die Grundlage für eine “herkömmlichen“ Hundeerziehung.

Wo ist der Unterschied zwischen einem Kangal / Akbasch / Karabasch / Anatolischer Hirtenhund?
Die richtige und anerkannte Rassebezeichnung (FCI 336) für den Kangal ist Anatolischer Hirtenhund. Darunter findet man alle verschiedenen Schläge dieser Hunderasse. So gibt es den Anatolischen Hirtenhund (Kangal) langhaarig, kurzhaarig, auch gescheckt oder rötlich aber auch in Weiß. Diese unterschiedlichen Schläge ergeben sich z.B.  aus den verschiedenen lokalen Umständen in seinem Herkunftsland. So ist ein langhaariger Kangal im raueren Wetter der Berge besser geschützt als ein kurzhaariger Kangal. Kangals die in schneereichen Gebieten ihre Arbeit tun, sind in der Fellfarbe Weiß, besser getarnt. Aus diesen verschiedenen Schlägen werden dann gerne Hunderassen kreiert. So heißt der “Akbasch“ bei den Hirten in der Türkei “Bayas Kangal“  / “Weißer Kangal“.

Was ist der Unterschied zwischen einem  Herdenschutzhund (auch Hirtenhund genannt) und einem Hütehund?
Der Herdenschutzhund lebt “unter“ (mit) den Schafen oder anderen Haustieren, sieht diese als seine Rudelmitglieder an und verteidigt sie gegen natürliche Beutegreifer (Feinde). Diese Schutzarbeit leistet der Herdenschutzhund höchst eigenständig und so arbeitet diese Hunderasse nicht auf Befehle.
Der Hütehund lebt “neben“ den Schafen und seine Aufgabe besteht darin die Kommandos des Hirten zu befolgen. Ein Hütehund arbeitet somit nicht aus eigenem Antrieb, wie ein Herdenschutzhund sondern er bedarf der Anweisungen des Hirten. So treibt der Hütehund die Schafe zusammen oder hält sie zusammen.

Wie viel Platz braucht ein Kangal?
Der Kangal liebt die Freiheit und damit er seiner Arbeit als Schutzhund auch nachkommen kann, sollte er möglichst draußen gehalten werden. Extreme Temperaturen stören ihn nicht. Gerade die kalte Jahreszeit mag er besonders. Sein dickes Fell hält ihn bestens warm. Ein gut eingezäunter Garten, auf dem er das Gefühl hat seine Schutzarbeit leisten zu können, sollte gegeben sein. Er braucht nicht unbedingt den täglichen Spaziergang, diese sind auch eher ein patrouillieren im Revier, vielmehr müssen seine scharfen Sinne (Augen, Ohren, Nase) ausgelastet werden, indem er, gerade in den Dämmerungsstunden diese für seine Schutzarbeit beanspruchen kann.

Mein Kangal “tut gar nichts“, er liegt nur rum. Ist das normal?
Der Kangal ist ein in sich ruhendes Tier. Stöckchen Spiele gehören nicht zu seinen „Hobbys“ und im Grunde seines Wesens erscheint er sehr bequem (“faul“). Es erscheint manchen Menschen  so, als würden diese Hunde nur faul herumliegen, jedoch sind die scharfen Gesichtsinne (Augen, Ohren, Nase) immer im Einsatz, um rechtzeitig auf unbekanntes (“Feinde“) zu reagieren. Dann aber, wenn Gefahren drohen, werden diese Hunde von jetzt auf gleich aktiv und sind in ihren Bewegungsapparat absolut schnell und wendig.

Muss ich viel spazieren gehen oder Sport machen?
Der Kangal ist eher ein bequemer Hund. Spaziergänge sollten eher ein patrouillieren im “Revier“  sein und Hundessport, Joggen oder am Fahrrad mitlaufen verweigert der Kangal eher. Obwohl er, wenn er denn einmal lossprintet extrem schnell und wendig sein kann.

Wann ist der Kangal ausgewachsen?
Mit 3,5 bis 4 Jahren ist der Kangal körperlich  und auch in seinem “Auftreten“ ausgewachsen. Im ersten Jahr wächst er recht schnell, daher sollte das Wachstum auch nicht, durch zu hochwertiges Futter unnötig beschleunigt werden. Im zweiten Jahr scheint er kaum zuzulegen und ab dem zweiten Lebensjahr gewinnt er an Statur. Kopf und Hals werden immer mächtiger, die gesamte Muskulatur prägt sich aus und der Brustkorb gibt der wachsenden Lunge den nötigen Platz. Erst mit guten 3,5 Jahren steht ein Kangal im „vollen Saft“ des Lebens.

Brauche ich Schafe?
Natürlich nicht. Der Kangal kann von einer Person oder von einer Familie mit Kindern gehalten werden. Haustiere wie z.B. Vögel oder Elefanten mag er auch. Nur sollte der Kangal von Klein auf in seinem sozialen Verbund aufwachsen, damit er die sozialen und emotionalen Zusammenhänge rechtzeitig erkennt, seine Orientierung findet und seine Arbeit als Wächter der Familie ausüben kann. Er braucht keine Schafe, aber er braucht das Gefühl als bester Freund, die Familie oder den Freund durch alle Höhen und Tiefen begleiten zu dürfen. Das Wohlergehen der Familie liegt ihm am Herzen. Und er erkennt schnell, die für ihn günstigen Momente der Familienhierarchie.