Haltungsvorrausetzungen

  Was erwartet den Kangalhalter / die Kangalhalterin, bzw. was erwartet der  "Kangal" ?   

Freiheitsliebend wie der Kangal ist, sollte die Möglichkeit bestehen das er draußen gehalten werden kann. (Sommer wie Winter) Gerade in der Nacht erwacht beim Kangal der Schutztrieb. Wie jeder Hund will auch der Kangal arbeiten und seine Arbeit ist der Schutzdienst, gerne in den Abend- oder Morgenstunden. Er braucht das Gefühl für ein Territorium und / oder einem sozialem Verbund verantwortlich zu sein. Dies ist die Grundlage für die Erziehung; denn ohne "Arbeit" wird auch ein Kangal unzufrieden.
Auch liebt der Kangal die Ruhe. So ist er ein Hund für die Menschen, die sich gerne Abseits der großen Menschenmassen bewegen und nicht unbedingt auf der Hundewiese spazieren wollen. Um so ruhiger und abgelegener der Wohnort um so schöner für den Kangal
Da die Erziehung dieser Haushunderasse doch ganz neue Wege verlangt, sollte der neue Halter / die Halterin die Bereitschaft besitzen von vielen, alt hergebrachten Erziehungsmethoden abzusehen und mit mir oder fachkundigen Kennern zusammenzuarbeiten. (Sofern noch keine eigenen Erfahrungen vorliegen.) Ich biete daher allen "Kunden" Hilfestellungen in der Erziehung an, die für unerfahren Menschen doch eine große Hilfe sein können. Ich war auch einmal ein Anfänger in der Erziehung eines Kangal und die Folgen waren doch ernüchternd.
Die Erziehung des Kangal muss äußerst konsequent sein. Viel Geduld und viel Einfühlungsvermögen ist von Nöten. Ein Rüde kann durchaus die ersten drei Jahre die Rangordnungsfrage stellen. Dies verlangt die täglichen ("leisen") Signale, dass ich (der Halter / die Halterin) hier der "Herr der Ringe" bin. Wenn es von der Geburt an bestens läuft, dann reichen hier schon kleinste ("leise") Zeichen um meine Alphastellung zu beweisen. (Man muss sie aber kennen.) Diese Zeichen müssen konsequent und der Entwicklungsphase angepasst gegeben werden.
Da der Kangal sein "Rudel" über alles liebt, braucht auch er unsere "Liebe". Ich will damit sagen, er verträgt es nicht, wenn er wie ein Soldat kommandiert wird.  Man könnte Glauben sein Stolz verbietet es ihm. Der Grund für dieses Verhalten liegt aber eher in seiner hohen Eigenständigkeit.

Die, für mich schönsten Seiten des Kangal.

  • Ganz oben steht das soziale, friedfertige Einfühlungsvermögen in andere Lebensformen. Man kann es nur erleben. Ein kleines Beispiel dafür. Wenn ein Rüde neben dem, aus dem Nest gefallen Amselküken, nach langer Suche gefunden wird oder meine Kangals einen verletzten Rehbock im Wald bewachen wollen, dann mag man dies für eines der vielen Hundemärchen halten, - ich hätte früher vielleicht nicht anders gedacht.
  • Die Ruhe und Ausgeglichenheit die von Kangal ausgeht ist immer wieder faszinierend.
  • Die ehrlichen Augen mit ihrem Sanftmut, aber auch einem Blick "der einem die Zehnägel hoch rollt", spiegeln immer den Gemütszustand des Kangal wider.
  • Aus den vielen Gesichtsgestiken und Körpersignalen kann man lesen wie aus einem Buch aber auch der Kangal liest alles (und mehr) aus unseren Augen und unserer Körpersprache.
  • Er ist ein absolut in sich ruhender Hirtenhund, niemals nervös oder aufdringlich. Mit solch einem Tier auf der Bergkuppe sitzen und die wachenden Augen des Kangal an seiner Seite wissend, dies ist schon etwas ganz besonderes.
  • Der Bewegungsablauf, die Schnelligkeit aber auch die Ausdauer und die Wendigkeit eines Kangal faszinieren mich bis Heute. 

Natürlich können diese Zeilen nur ein kleiner Ausschnitt aus der Zucht und Haltung / Erziehung eines Kangal aufzeigen aber sie verdeutlichen doch, dass diese Hirtenhunde nur in verantwortliche Hände gehören. Zu Menschen die den besonderen Ansprüchen des Kangal gerecht werden und bereit sind neue Wege in der Hundeerziehung zu gehen. In der Haltung muss der Kangal das Gefühl von Freiheit und Verantwortung haben. Er muss seiner Arbeit als Schutzhund nachgehen dürfen und in einer festen sozialen Struktur (als rangniedrigster) eingebunden sein. (Dafür braucht er aber nicht unbedingt Schafe. Viele Leute fragen mich dies häufig.)

Es ist schon eine Herausforderung, einen solchen Herdenschutzhund zu halten aber wenn man den "Eigensinn" mag, dann mag man auch den "Kangal"  mit seinem "eigenem Sinn".
Er ist kein "Soldat",  er ist ein Freund der seinen eigenen Weg geht und dabei niemals seine Freundschaft vergisst.

All diese, doch etwas anspruchsvollen Seiten des Kangal werden durch seine beeindruckende Ehrlichkeit, seiner Bereitschaft sich in eine klar strukturierte, soziale Rangordnung einzugliedern, seiner Eleganz, seiner majestätische Erscheinung, seiner graziösen Bewegungen, seiner, von ihm ausgehende Ruhe, seiner reinen "Seele", der absoluten Treue zu seiner "Familie" und der Klarheit seiner Augen, aus denen man alles lesen kann, weggemacht.